Reflektorische Wirbel- und Gelenktherapie voller Text

Reflektorische Wirbel- und Gelenktherapie

Der Name Reflektorische Wirbel- und Gelenktherapie wird oft auch für die bekannte Dorntherapie verwendet. Es ist jedoch so, dass der Ursprung der Reflektorischen Wirbel- und Gelenktherapie aus der Dornmethode und der Atlaslogistik stammt und sich im Laufe der letzten Jahren immer weiter entfaltet hat. Das Integrieren der heutigen Wissensgrundlagen der Physiologie des Nervensystems, von den Forschern  Dr. A. Levin und Dr. Stephen W. Porges, hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Methode erheblich sanfter als gewohnt durchgeführt wird und sich dadurch die Ergebnisse deutlich nachhaltiger erweisen.

Die Reflektorische Wirbel- und Gelenktherapie wirkt via Nervensystem auf die Muskulatur, die Wirbelsäule und die Gelenke. Sie besteht darin, dem Nervensystem wieder mehr Leitfähigkeit zu verleihen, damit sich Bewegungseinschränkungen im Bereich der Wirbelsäule und Gelenke, sowie Störungen im Organsystem wieder regulieren können. Das Behandlungsprinzip besagt, dass die dem Körper innewohnenden Selbstheilungskräfte durch das Nervensystem koordiniert und beeinflusst werden. Durch alte und neue stressbedingte Erlebnisse entstehen Blockaden im Zentral-, Peripheren- und Vegetativen Nervensystem. Über die Herstellung der Leitfähigkeit der Nervensysteme mit Hilfe reflektorischer Kommunikation, werden untergeordnete Strukturen wie die Muskulatur (sie hat die ganze Stütz- und Bewegungsfunktion aller Gelenke unter sich) und das Organsystem (über den segmentalen Zusammenhang wird auch dieses positiv beeinflusst) behandelt.

Man könnte die Methode auch Reflektorische Selbstregulierende Muskeltherapie nennen, da sie via Nervensystem auf die Muskulatur wirkt. Oder auch direkt Reflektorische Selbstregulierende Nerventherapie…

Begriffsabgrenzung

Reflektorisch basiert auf dem Wort Reflex. Es bedeutet, eine unwillkürliche, rasche Reaktion eines Organismus auf einen äusseren Reiz. Dieser Reiz wird vom Nervensystem auf­genommen und ins Gehirn geleitet, worauf dieses einen Befehl in die Peripherie erteilt. Es folgt ein Reflex (eine Reaktion).

Wirksamkeit

Die Natur hat jedes Lebewesen mit einem starken Selbsterhaltungstrieb ausgestattet, sodass wenn sein Gleichgewicht aus dem Lot geraten ist, es sich selber wieder reguliert. Dafür verantwortlich ist das Nervensystem.  Es ist ein System, welches die Aufgabe hat, Informationen über die Umwelt und den Organismus aufzunehmen, zu verarbeiten und möglichst optimal auf Veränderungen zu reagieren. Durch ganz alte, aber auch neuere, stressbedingte Erlebnisse und unbemerkte Reizüberflutung ist es dem Nervensystem nicht mehr möglich, sich selber zu regulieren und seine Funktionskraft wird immer mehr geschwächt und kann den Körper nicht mehr optimal mit Impulsen versorgen. Beeinträchtigungen des Nervensystems können durch einen Unfall, Sturz, Schlag oder durch die Geburt verursacht werden. Auf seelischer Ebene können psychische Belastungen wie Sorgen, Enttäuschungen, Wut, Stress (Über- und Unterforderung), Trauer, Schock und auch übergrosse Freude einen Menschen oder ein Tier aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Folge davon sind Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der Muskulatur, der Organe und anderer Systeme wie z. B. Hormonhaushalt, Lymphsystem und  Durchblutung. Diese geraten sozusagen in „Verzweiflung und Leid“ und versagen immer mehr in ihrer Funktion. Dies äussert sich im alltäglichen „Funktionieren“ und macht sich beispielsweise als Verspannungen, generelle Schmerzen, Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen oder organische Fehlfunktionen bemerkbar und auch, dass wir im Alltag psychisch und physisch immer schneller an Grenzen stossen. Mit Hilfe reflektorischer Kommunikation werden im Bereich der Wirbelsäule (Rückenmark) Reize gesetzt und zwar da wo keine Kommunikation mehr vorzufinden ist, damit das Nervensystem wieder aktiv werden kann. Durch die Wiederherstellung der Leitfähigkeit werden alle untergeordneten Strukturen wie Muskulatur, Organe, Blut- und Lymphsystem neu aktiviert und belebt.

Im Gegensatz zum Blut- oder Lymphsystem bilden die Nerven kein einheitliches System. Es handelt sich vielmehr um verschiedene, in Verbindung stehende Systeme. Es wird unterteilt in das Zentralnervensystem (ZNS), das periphere Nervensystem (PNS – Spinalnerven)  und das vegetative Nervensystem (VNS).

Die Wirbelsäule besteht aus einer Vielzahl aneinander / untereinander liegender Wirbel. Zwischen den Wirbeln befinden sich die knorpeligen Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben). Die Wirbelsäule stützt einerseits den Körper, andererseits verleiht sie ihm aber auch, durch die gelenkige Verbindung der Wirbel untereinander, seine Beweglichkeit. Zusammengehalten werden die Wirbel durch die tieferen, bewegt durch die oberen Muskelschichten.

Verliert das Nervensystem seine Leitfähigkeit, wird der ganze Muskelapparat in seiner Funktion, die einen grossen Einfluss auf das ganze Skelett hat, beeinträchtigt. Auch der kleinste Qualitätsverlust führt über kurz oder lang zu gesundheitlichen Störungen und somit zu Krankheitssymptomen.

Auch wenn ein Lebewesen keine Schmerzen oder Krankheitssymptome registriert, heisst es noch lange nicht, dass das Nervensystem noch über eine 100-prozentige Leitfähigkeit verfügt. Bei auftretenden Schmerzen oder anderen Symptomen ist meist die Leitfähigkeit des Nervensystems schon über Jahre eingeschränkt und zeigt sich erst viel später als Krankheit oder Schmerz.

Behandlung

In der Reflektorischen Wirbel- und Gelenktherapie geht es hauptsächlich darum, Reize zu setzen und zwar so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Es entsteht sozusagen eine Kommunikation mit dem Nervensystem! Der Therapeut versucht mit der Hand oder mit den Fingern in das Gewebe, welches vom Nervensystem mit Impulsen versorgt wird „hineinzuhorchen“. Ein Therapeut der diese Methode korrekt anwendet, verfügt über verschiedene, Fokus- und Berührungstechniken. Diagnose sowie Behandlung gehen mehr oder weniger nahtlos ineinander über. Die aktive Einwirkung, um Reize auf das Nervensystem auszuüben, ist meist so leicht, dass sie mit blossen Augen fast nicht zu erkennen ist. Auch bei der Anwendung der verschiedenen Fokusmöglichkeiten kann es durchaus vorkommen, dass man das Gefühl hat, der Praktizierende würde gar nichts tun. Doch genau dieses „Nichttun“ oder „Raumschaffen“ löst einen Reiz auf das gesamte Nervensystem aus und wirkt genauso ausgleichend wie die verschiedenen sehr angenehm empfundenen Berührungstechniken, die die Selbstheilungskräfte (innerer Arzt) aktivieren. Die Wahl der verschiedenen Reizmöglichkeiten ist sehr individuell und wird bei einem Patient fortlaufend neu angepasst. Die Erfahrung zeigt, je weniger man tut, umso stärker reagiert ein Organismus J: feine Reize sind starke Reize. Das kennen wir bestens aus dem Alltag, wenn Fliegen über die nackte Haut krabbeln: Obwohl diese Reize sehr fein sind, wirken diese jedoch für uns so stark, dass wir das Insekt sofort wegwischen. Genau diese sanfte Eigenschaft macht diese Therapieweise so hervorragend und verleiht ihr eine nachhaltige Wirkung.

Die Behandlung wird sitzend über den Kleidern durchgeführt und kann überall angewendet werden. Durch reflektorische Kommunikation werden mit verschiedenen Berührungstechniken entlang der Wirbelsäule Reize gesetzt, die das Nervensystem anregen und die Kraft der Selbstheilung aktivieren. Die verschiedenen Fokusvarianten helfen der Selbstheilung aktiv zu bleiben, demzufolge reguliert sich das Nervensystem selbstständig und erhält wieder mehr Leitfähigkeit. Es wird dadurch erneut in die Lage versetzt, die Muskulatur mit optimalen Impulsen zu versorgen. Folglich werden Gelenks­fehl­stellungen und Blockaden im Körper korrigiert, ebenso können auch die Organe, das Lymphsystem, die Blutzirkulation und der Hormon­haushalt und Ursachen, die dadurch entstanden sind, positiv beeinflusst werden.

Es werden nur dort Reize gesetzt, wo keine Kommunikation vorzufinden ist. Schmerzende Regionen sind meist schon sehr aktiv und werden nicht noch mehr „gereizt“.

An Stellen, bei denen der Therapeut jedoch keine Kommunikation mit dem Nervensystem hat, wird dieses mit Berührungstechniken nur so viel gereizt, bis es „antwortet“!

Einen stark „gereizten“ Menschen wird man wohl nicht mit Worten oder mit einer Tätigkeit noch mehr reizen wollen um ihn dadurch noch mehr zu erregen, im Gegenteil, man wird ihm ohne Einwände aufmerksam zuhören und ihm vorerst mal „recht“ geben. Auf diese Weise wird er sich von selber beruhigen und entspannen J.

Einen zurückhaltenden Menschen jedoch, versucht man möglicherweise mit provokativen Fragen aus der Reserve zu locken, um ihn dadurch zum Sprechen zu bringen und sich am Geschehen zu beteiligen.

Man könnte die Methode auch Reflektorische Selbstregulierende Muskeltherapie nennen, da sie via Nervensystem auf die Muskulatur wirkt. Oder auch direkt Reflektorische Selbstregulierende Nerventherapie…

Eine Sitzung dauert in der Regel 90 Minuten oder solange bis der „See“ ruhig ist.

Die Reflektorische Wirbel- und Gelenktherapie ersetzt keinen Arzt!

Sie haben die Möglichkeit, die  Methode in einem meiner Kurse selber zu erlernen.

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